Nachdem ich die Überschrift jetzt nicht sooo spannend fand (wofür ich mich eigentlich schonwieder selbst schlagen könnte, denn genau das "Nicht-spannend-Finden" ist das, was mich bei anderen immer aufregt...), wird es jetzt hier wirklich interessant, und wer aufmerksam ließt, der merkt auch, dass Marc mal wieder voll den Finger in der Wunde hat.
Klar bringen uns die dreifuffzig für die HU nicht um. Aber die Summe macht´s doch.
Man hätte mal unseren Urgroßeltern erzählen müssen, dass es bald soweit sein wird, das eigene Auto, obwohl es völlig intakt ist, nur etwas älter und laut irgendwelchen dubiosen Schadstoffausstoßbetrachtungen angeblich schlechter ist als andere, plötzlich starke Nutzungseinschränkungen und damit drastische Wertminderung erfährt. Sie würden sich im Grabe umdrehen.
Wie wurden wir so weichgespült? Ganz einfach...Schritt für Schritt.
Das natürliche Sicherheits- und Umweltschutzbedürfnis des Menschen wird künstlich gesteigert, verwendet dafür Fakten die grade passen und die "Aber´s" verschwiegen oder kleingeredet.
Wenn das nicht reicht, müssen wir noch anderswo die Klemmschraube anziehen, aber auch das in möglichst unbemerkt kleinen Schritten. Also erstmal den ungeliebten langlebigen Autos die Steuern hochziehen, um mal beim Beispiel Auto zu bleiben.
Da auch der Automobilhersteller starkes Interesse am Verkauf von Neufahrzeugen hat, wird er auch die Schrauben anziehen, seine Werkstattpreise erhöhen, wie auch die Teilepreise. Auch das schön Schritt für Schritt, so, dass es erstmal keiner groß mitkrigt.
Und wenn die Masse der Leute dann genug weichgeklopft ist, ihr altes Auto wirklich bald aufzugeben, dann sehen sie die Umweltzone nicht mehr als drastische Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit und Mobilität und Femdbestimmung ihres Geldes, sondern als "Guten Anlass, sich mal ein neues Auto zu gönnen".
Das ist das Umweltbeispiel.
Hier geht es offenbar mehr um das Sicherheitsbeispiel...
Wie rechtfertigt man Schritte wie diese, die hier in der Überschrift stehen? Oder die ständig steigenden Bußgelder, die mittlerweile größtenteils wirklich hinterhältig aufgestellten Radarkontrollen und ständig steigende Bußgelder?
Genau so. Wenn etwas schiefgegangen ist, dann wird hinterher was erfunden, wie das - unter deutlichem Zurückstecken und Geldausgeben aller - "künftig verhindert werden kann".
Weil ein paar Idioten druchgerostete Golf 1 und E-Kadetts anfang der 2000er über das 07-er Gutachten gehoben haben, um die Gurke künfig noch billiger runterreiten zu können, so wird nicht der einzelne bestraft oder zur Besserung gemahnt, sondern die Regeln werden fast bis zur Unnutzbarkeit der roten Nummer verschärft - für alle.
So ähnlich soll - und wird wohl auch - bald das Kurzzeitkennzeichen verbraten.
Längst sind wir auf diese Art und Weise dort angekommen, dass sich der Mensch fast vollständig auf andere, auf Regeln und Gesetze verlässt. Wenn kein Schild steht, dass man da langsam Fahren muss, dann kann man da schnell fahren, egal, ob eine Kurve ist, oder nicht.
Und weil in der Straßenbahn kein Schild hängt, dass man sich so hinstellen muss, dass man im Falle einer (Voll-)Bremsung nicht durch die ganze Bahn kegelt, macht das auch keiner. Weil es aber vorgeschrieben ist, sich im Auto anzuschnallen, gibt es kaum jemanden, der nicht Moralapostel spielt, wenn man mal dreißig Meter unangeschnallt fährt.
Es wird gar nicht darüber nachgedacht, wie gefährlich es wirklich ist, es werden nur Regeln befolgt. Haben die Regeln eine Lücke, dann hat auch das Handeln eine Lücke und der Mensch wird zum Lemming.
Ein Kumpel ist seit 30 Jahren Straßenbahnfahrer, er kennt die Situationen, wo einfach das Denken weggelassen wird, obwohl eine Gefahr unabstreitbar da ist. Doch man ist Denken überhaupt nicht mehr gewohnt.
Aber für mich bleibt es dabei: Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, niemand anderes. Und wenn ich mit meinem Auto gegen einen Masten fahre, dann war ich zu schnell oder habe nicht hinreichend auf den technischen Zustand meines Autos geachtet. Egal, ob dort ein Schild steht, dass man dort nicht schneller fahren darf, oder nicht, oder ob der TÜV nun neu war, oder nicht.
