Wellendichtring Eingangswelle/Antrieb Differential

  • Hallo zusammen,


    leider ist mein Differential an beiden Abtriebsflanschen ziemlich undicht. Hier habe ich mich schlau gemacht, ein Wechsel der Dichtringe ist zumindest bei ausgebautem Differential, keine große Sache.

    Auch undicht, zwar (noch) nicht so schlimm, ist der Antriebsflansch.

    Hier scheint der Tausch des Dichtrings wesentlich anspruchsvoller zu sein, da man beim anschließenden Anziehen der Zwölfkant-Bundmutter für den Antriebsflansch das Reibmoment einstellen muss.

    In Anbetracht des Preises für ein instandgesetztes Differential hätte ich kein Problem damit, das dazu notwendige Spezialwerkzeug zu kaufen (sollte ein "Stahlwille Torsiometer 760 15" sein). Alternativ kann man das wohl auch mit "Hausmitteln" machen, wie in diesem Video gezeigt:

    https://youtu.be/UPiVlLKcd_Q

    Man findet zu diesem Thema allerdings sehr viele Anleitungen/Erfahrungsberichte, die von "kein Problem, kann man locker nach Gefühl machen" zu "Ding der Unmöglichkeit, nur was für den absoluten Profi" reichen.


    Hat von euch jemand diesen Dichtring schonmal (erfolgreich) ersetzt, sodass dass Diff danach trocken war und keine fiesen Geräusche beim Fahren von sich gibt, oder sollte man in diesem Fall wirklich vom Versuch absehen und lieber zu einem vom Profi überholten Teil greifen?

    Außer dass es ölt, wäre mein Diff noch erträglich was die Geräuschentwicklung angeht.


    Gruß

    Basti

  • Moin,


    mit der entsprechenden Erfahrung, kann man das durchaus aus dem Gefühl heraus machen. Devise: lieber ein Tacken weniger als zu eng. Dabei ist ein gutes Gedächtnis(wie fühlte es sich vor Ausbau des Flansches an?) sehr wichtig, denn das mußt du nach der Rep wieder abrufen können. Ansonsten ist ein Reibwertmesser natürlich sehr hilfreich. Nur.. den brauchst du wahrscheinlich nie wieder, dafür Sonderwerkzeug kaufen? Kannst du das nicht leihen bei deinem örtlichen Dealer?


    LG Bianca

  • Hallo,


    das "Merken" des Widerstands und später recht genau wieder zu treffen traue ich mir nicht zu, dafür mache ich sowas einfach zu selten. Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es nach einem eventuell einmal zu fest angezogenen Flansch auch keinen Weg mehr zurück, da die Stahlhülse die man durch das Anziehen quasi vorspannt nicht mehr "zurück kommt" sodass man diese dann im Ernstfall austauschen müsste.


    Ich kann mir nicht vorstellen dass diese Präzisionswerkzeuge gern verliehen werden, bei den Läden hier vor Ort wird man solchen Anfragen erfahrungsgemäß gerade als Nicht-Werkstatt höchstens schräg angeschaut, aber bei XXL werde ich mal anfragen, gute Idee!


    Gruß

    Basti

  • Guten Abend,


    nachdem die Kosten für meine Hinterachsrevision, die ein wenig Richtung Teilrestaurierung abgedriftet ist, etwas aus dem Ruder zu laufen drohten, habe ich mich für die Variante des auf 12 Uhr ankörnen + Tiefe der Mutter messen beschränkt. Ich muss sagen dass ich damit echt zufrieden bin, denn vom Gefühl her ist der Reibwert genau wie vorher (wobei mir wie gesagt das Gefühl/Erfahrung/Routine fehlt, um mir sicher zu sein).


    Ich berichte dann in Kürze wenn ich hoffentlich ein paar hundert Kilometer weit gefahren bin, ob das Differential meinen Reparaturversuch überstanden hat.


    Bezüglich Dichtring am Eingangsflansch bin ich mir eigentlich sicher, dass der jetzt dicht sein müsste.

    An den Ausgangsflanschen habe ich ein ganz mieses Gefühl, da die Flansche sich komplett ohne Widerstand reinschieben ließen, so als ob die Flansche zu dünn bzw. der Dichtring zu weit ist. Oder ist das etwa normal?


    Wenn das Differential nicht dicht sein sollte werde ich es nochmal mit Wellendichtringen einer anderen Marke probieren, bzw. wenn ich den Reibwert nicht getroffen habe muss ich ja eh zu einem überholten greifen.


    Gruß

    Basti

  • Morgen Basti,


    weil ich den vorderen Simmerring auch noch vor mir habe, wäre eine Beschreibung der relevanten Schritte prima! Also gerade der Teil, wo du mit dem Körner den Ist-Zustand markierst. Wenn ich das richtig verstehe, markierst du einfach die Position der Mutter und ziehst die wieder so an wie vorher?

    Waren die Laufflächen für die Wellendichtringe noch OK? Beim /8 habe ich die damals mit Reparaturhülsen ausgebessert (SKF Speedi-Sleeve)


    Grüßle Jo

    Chilldieselfahrer


    Biete Schrauberhilfe in 73642 Welzheim

  • Hallo Jo, hallo Tobias,


    gerne schreibe ich dazu eine kleine Anleitung, wobei ich glaube das jeder der es schafft das Differential auszubauen auch den Wechsel der Wellendichtringe hinbekommt, und die Methode mit dem ankörnen der Mutter / Einschraubtiefe messen habe ich glaube sogar in diesem Forum gefunden. Vor dem losschrauben markiert man die Mutter mit einem Körnerschlag + Farbe auf 12 Uhr, und misst mit einer Schieblehre die Distanz von der Spitze der Eingangswelle bis zum oberen Rand der Mutter. Beim montieren zieht man die Mutter dann wieder so tief fest wie sie vorher war, wobei man da eigentlich eh keine Wahl hat ohne extrem locker bzw. fest zu schrauben, dann kann man noch prüfen ob die Markierung wieder auf 12 Uhr steht und ggf. noch etwas nachziehen.

    Wenn man eine neue Mutter verwendet, wie es im WIS eigentlich vorgeschlagen wird, muss man eventuelle Höhenunterschiede zwischen der alten/neuen Mutter natürlich berücksichtigen, waren bei mir aber nicht vorhanden und ich habe eh die alte Mutter weiterverwendet wegen der Markierung.


    In der Beschreibung die ich dazu gefunden hatte hieß es, die Mutter noch einen Tick weiter anziehen als sie vorher war - das habe ich nicht gemacht, kam mir vor als würde ich es da übertreiben und vom Gefühl beim durchdrehen her war es auch wie vorher.

    Reibmoment Differential einstellen


    Bevor ich eine Anleitung schreibe fahre ich noch ein bisschen, nicht dass ich in 1000km die Lager geschrottet habe weil ich diese Mutter nicht vernünftig angezogen habe. Dann sollte man es vielleicht doch nur mit einem Reibwertmesser machen.

    Die Lauffläche auf dem Eingangsflansch sah sehr gut aus bei mir, keine sicht- oder fühlbare Rille, auch an den Ausgangsflanschen war kein Verschleiß zu erkennen. Der Eingangsflansch ließ sich auch so montieren, dass man das Gefühl hatte die Dichtlippe des Wellendichtrings liegt mit leichter Vorspannung an, ganz anders als bei den Ausgangsflanschen, die ließen sich komplett ohne Widerstand reinschieben, bin mal gespannt ob das jetzt dicht bleibt oder ob ich da auch Speedi-Sleeves gebraucht hätte.