So, gestern war der große Tag, an dem die Hinterachse in Angriff genommen wurde.
Geplant waren: Die Streben für die Hinterachse und die vorderen Lager vom Hinterachsträger.
Was jetzt folgt ist KEINE Reparaturanleitung zum Nachmachen, sondern ein Bericht von dem, was wir gemacht haben.
Ich bitte alle Schrauber, die wenig Erfahrung haben, das auf keinen Fall nachzumachen.
Wir sind da zu dritt rangegangen und haben alle schon ein wenig Erfahrung und einer macht den Kram sogar beruflich.
Also, zuerst wird natürlich der Wagen hinten hochgebockt und zwar so hoch, dass man auch anständig drunter arbeiten kann.

Man kann eine schöne Keilform erkennen, von der ein Tuner nur träumen kann!

Dann wird erstmal der Auspuff abgenommen, der Ablaufschlauch aus der Führung genommen und der Sicherungsbügel um die Kardanwelle abgeschraubt.
Dann kann man sich die hinteren Lager vom Hinterachsträger angucken und merken, dass die eigentlich in dem Abwasch auch mal gewechselt werden können.
Also nach Köln zum Gleisdreieck und noch den Repsatz für das hintere Lager inkl Repsatz kaufen. Im Nachhinein hat der total unfähige Mensch an der Teileausgabe mir den Repsatz und die Schrauben für die alte Version vom Lager verkauft, was ich allerdings erst später gemerkt habe.
Die werd ich allerdings wieder zurückgeben.
Für die beiliegenden Schrauben braucht man im Übrigen eine total beschissene Nuss. Ich habe keine Ahnung, warum die alten Schrauben normale, bewährte und anständige Sechskantköpfe haben und die neuen die beschissensten Sondermaße haben, die man sich nur vorstellen kann!
Das ist doch einfach nur reine Geldmacherei und total überflüssig!!!
Also noch für 10€ ne passende Nuss gekauft und auf dem Weg noch Grillzeug besorgt - der Tag wird schließlich lang!
Wenn man dann wieder beim Auto ist, kann man anfangen die Schrauben der Lager für die Achsträger zu demontieren, was auch schonmal eine Stunde in Anspruch nehmen kann, da die Schrauben doch über 22 Jahre und 400TKM gut festsitzen können.

Nachdem die Schrauben gelöst sind, kann man den Hinterachsträger am Diff abstützen und die Schrauben komplett rausdrehen. Danach dann das ganze absenken, damit man an die Lager kommt.

Hier einer der Übeltäter:

Das Lager ist auch nicht mehr komplett zusammen - die innere Hülse guckt schon raus.

Und das muss man dann irgendwie rauskriegen...

Also wurden die Lager nach allen Regeln der Kunst mit Hammer, Meißel, Beiteln, Schraubendrehern, Heißluftfön und Wagenheber bearbeitet, bis...




...sie endlich draußen waren!



Das dauert bei jedem der Lager so seine Zeit, aber wenn sie einmal draußen sind, hat man gewonnen!
Das letzte Lager war besonders widerspänstig und beim Kampf gegen das Lager, was sich in meinem Auto scheinbar ganz wohl gefühlt hat, fiel uns dann doch noch eine einfache wie geniale Lösung ein:
Wenn man das Lager von oben mit den Hülsen an der Karosse fixiert, sodass es nicht weiter nach oben kann und dann mit einem Wagenheber den Achsträger hochdrückt, gibt auch das Lager auf!


Inzwischen waren unsere Nachbarn schon fleißig und haben vor dem Auto schon den Grill aufgebaut!
Zeit für eine Mittagspause!

Nach der Pause gings ans Einpressen der Lager.
Das ist eigentlich relativ unspektakulär, wenn man das passende Werkzeug hat.
Das hatten wir natürlich nicht wirklich, aber ein Einpresswerkzeug kann man sich recht einfach bauen, indem man eine Gewindestange auf die passende Länge zurechtsägt und oben wie unten die alten Anschlagplatten vom Lager als Auflagefläche benutzt.
Hier erweist sich ein Ringratschenschlüssel als praktisch!
Einfach, aber wirkungsvoll!

Beim hinteren Lager kann man natürlich auch einfach den Wagenheber druntersetzen und das Lager hochpumpen, was halt ein bisschen schneller geht.
Hier das eingepresste Lager:

Danach kam der eher unangenehmere Teil des Tages, nämlich die Streben.
Auch dafür hatte ich mir einen originalen Reparatursatz von Lemförder gekauft.
Das erste Problem kam schon bei den Schrauben: Es waren irgendwelche exotischen Vielzahntorx, für die man natürlich wieder einen passenden Aufsatz für die Ratsche braucht, was aber in dem Fall das kleinere Problem ist.
Viel schlimmer ist, dass man an einige Schrauben zwar mit einem normalen Ring- oder Maulschlüssel drankommt, aber natürlich nicht mit einem Aufsatz für die Ratsche!
Der einzige Grund, der mir für diese bescheuerte Innovation einfällt, ist die Sicherung der Arbeitsplätze bei Mercedes durch die deutlich komplexere Reparatur (um da wirklich dranzukommen muss man nämlich die komplette Bremse auseinander nehmen) und der Absatz von Werkzeug, was man einmal braucht und dann in der Werkzeugkiste versauern lässt.
Erschwerend kam an der Stelle noch das nicht mehr ganz trockene Wetter dazu.
Aber auch da gibt es Mittel und Wege, Abhilfe zu schaffen:

Die Streben gingen eigentlich relativ einfach raus, wenn man ein bisschen Kraft in den Armen und etwas Geduld hat.
Der Einbau gesteltet sich aufgrund der bescheuerten Schrauben nicht ganz so einfach, wie er eigentlich hätte sein können.
An manchen Stellen muss man eine Rohrzange zu Hilfe nehmen, um die Schraube festzubekommen.
An den anderen Stellen hilft der Torxaufsatz an der Ratsche, manchmal auch mit Kardangelenk und 2 Verlängerungen.

An sich ist die Arbeit aber deutlich weniger spektakulär, als der Wechsel der Lager, wenn man von den Komplikationen absieht.
Am Ende waren die Streben zumindest gewechselt:

Dann kann man den Achsträger wieder anheben und die Schrauben festziehen, Drehmoment ist dabei 120Nm.
Bei den Schrauben der Streben ist glaub ich auch ein Drehmoment vorgesehen, aber dafür hatte ich zum einen keine Reparaturanleitung und zum anderen wär man an die Schrauben mit einem langen Drehmomentschlüssel sowieso nicht drangekommen. Wir haben die Dinger jedenfalls gut festgeknallt, blöderweise in Ermangelung einer 4-Säulen-Bühne nicht in Fahrtstellung.
Die Lager waren jedenfalls eingepresst und festgezogen:


Dann hieß es sauber machen und Probe fahren.

Christian und Philip beim Fegen:

Bei der Probefahrt kan dann ein ernüchterndes Ergebnis: Leider war das dämliche Schaukeln immer noch nicht weg...
Ob es daran liegt, dass die Streben nicht in Fahrposition angezogen worden sind oder ob noch was anderes im Arsch ist, kann ich erstmal natürlich nicht sagen.
Da ich heute Abend wieder 240km fahren muss, werd ich mal drauf achten, ob sich das ganze vielleicht durchs setzten vielleicht doch noch verbessert oder die Fehlersuche geht weiter.
Insgesamt hat der ganze Spaß an Teilen knapp 400€ gekostet.
Natürlich waren die Teile definitiv kaputt und mussten gewechselt werden, also war das sicher keine Fehlinvestition, aber es wär natürlich schön gewesen, wenigstens ein Ergebnis zu haben.
Am Ende nochmal vielen Dank an Brummi für die guten Tips!!!
Gruß
Jan