Hallo liebe Leute,
es ist soweit, der Rote muss gehen. So schwer es mir auch fällt, diesen langjährigen Partner abzustoßen (der in letzter Zeit sogar mehrmals in meinen Träumen aufgetaucht ist, was das ganze nicht einfacher macht), aber habe ich in der Zwischenzeit leider keine fünfstellige Summe im Lotto gewonnen und auch keinen gut gefüllten, einsamen Koffer an 'ner Parkbank finden können. Selbst Geldtransporte, sonst immer häufig erspäht, haben sich im letzten Jahr meinem suchenden Blick erfolgreich entzogen. Mist. 
Aber so ist es halt und ich muss jetzt stark sein. Immerhin kann ich sagen, dass die vergangenen 10 Monate mit dem kleinen Twingo wirklich "easy riding" waren, und der im September stattgefundene zweiwöchige und dreitausend Kilometer lange Trip entlang der französischen Atlantikküste bis in die Bretagne ohne Schwierigkeiten verlaufen ist. Dieser war – man glaubt es kaum – auf vielen Ebenen sogar weitaus bequemer und entspannter als sämtliche Ausflüge mit dem Roten. Während der Baby-Benz ein Stufenheck mit ungeschickt platziertem Tank und damit nicht existenter Durchlademöglichkeit ist, so erfreut der Twingo 1 als Elefantenrollschuh zu klein geratener, aber dennoch unfassbar brauchbarer Kombiwagen mit herausnehmbarer Rücksitzbank das Herz des sperrigen Fahrergepäcks (= ich = 105 kg auf 194 cm). Der kleine Franzose vermag dennoch nicht an das entschleunigende, gar meditative Cruisen des W201 "uffe Bahn" heranzukommen, was natürlich auch in Teilen der Kombination von Stoffdach und einer Dachbox – halb so groß wie der Wagen selbst – geschuldet ist.
Wie dem auch sei. Seit Ende letzten Jahres döst der Rote auf dem Hinterhof von Bekannten so vor sich hin und wechselt gelegentlich das Plätzchen auf dem harten Kiesbett. Dabei stracken neben ihm immer mindestens zwei komplett entkernte Enten – er ahnt wohl schon was auf ihn zukommt.
Da ich im Laufe des Monats ins Studentenleben im äußersten Südwesten Deutschlands aufbrechen werde, muss das Kapitel Rotbenz nun ein zügiges Ende finden. Bezüglich dessen Ablaufes bin ich mir aber noch immer unschlüssig. Vor ein paar Tagen habe ich gesehen, dass es ein paar Täler weiter eine Autoverwertung gibt, welche regelmäßig auch alte Daimler zerpflückt und in Teilen wieder bereitstellt. Diese Option ist mir im Moment die liebste, obgleich ich es ganz toll fände, wenn der Wagen als gut genug für den Export betrachtet würde, um dann auf dem afrikanischen Kontinent noch einige Jahrzehnte sein Unwesen treiben zu können. In meinem Kopfkino habe ich bereits meine Handynummer in den Schlossträger geritzt, um vom zukünftigen Eigner auf WhatsApp über den Verbleib des Wagens informiert zu bleiben. Ja, es fällt mir schwer, hier loszulassen. 
Letztlich wird es aber das werden, was den größten Groschen einbringt bzw. am wenigsten vernichtet. Obwohl das Studium noch gar nicht begonnen hat, bemerke ich bereits jetzt ein sich auftuendes Tiefdruckgebiet im Girokonto, weswegen ich auch sämtliche Überbleibsel (guter Kühlergrill, orig. Kofferraumdichtung, überholte Lima, Batterie und Druckspeicher aus 2019, zwei Dachträger, dies und das) leider nicht zu SSV-mäßigen Forenpreisen hier verschleudern können werde. Nehmt mir das nicht übel. Wahrscheinlich werde ich auch die beiden Lüftungsrahmen noch ausbauen und selber verkaufen und nicht dem Verwerter oder wem auch immer noch "mitspenden" – ich rechne nämlich mit lächerlichen Angeboten für die rote Tonne ("ja is alte Auto und eh Nullausstatter, dies das").
In der Zwischenzeit habe ich aber nun erst mal die ehrenvolle Aufgabe, den (noch verbrauchteren aber immerhin frisch getüvten) S124 meines Vaters zu verscherbeln, da der neue T6 Bus in zwei Wochen zur Abholung bereit stehen soll. Mal schauen, welcher Benz als erstes weg sein wird und wie es für sie dann weiter geht. Seltsam, wie es für des Vaters und des Sohnes Wagen zur gleichen Zeit zu Ende geht. Aber immerhin ist eins gewiss: Corona wird auf ihren Todesscheinen nicht auftauchen. 
Melde mich wieder wenn's was Neues gibt.
Bis dahin, macht es gut.